The End of Owls
Trans. by Jerome Rothengerg
Vending Machine
Trans. by Michael Hamburger
He puts four dimes into the slot
he gets himself some cigarettes
He gets cancer
he gets apartheid
he gets a couple of far-away massacres
He gets more and more
for his four dimes
but for a moment all the things disppear
Even the cigarettes
He looks at the vending machine
He sees himself
For a fleeting moment
he almost looks like a man
Then very soon he is gone again
it was just a fleeting moment
some kind fo sudden bliss
He has disppeared
he is gone
buried under all the stuff he got
for his four dimes
Old Revolution
Trans. by Michael Hamburger
A beetle lying on its back.
The old bloodspots are still on show
in the museum. Decades playing dead.
A sour smell form the mouth of thirty ministries.
At the Hotel Nacional four deceased musicians
are playing night by night the tango from ‘59:
Quizas, quizas, quizas.
By the murmur of a tropical rosary
history is taking a nap. Only those
who long for toothpaste, light blubs
and spaghetti are tossing sleeplessly
between the damp bedsheets.
A sleepwalker in front of ten microphones
is preaching to his tired island:
After me nothing will follow.
It is finished.
The machine-guns glisten with oil.
The shirts are sticky with cane-juce.
The prostate has had it.
Wistfully the aged warrior
scans the horizon for an aggressor.
There is no one in sight. Even the enemy
has forgotten about him.
Optimistic Little Poem
Trans. by David Constantine
Now and then it happens
that someboy shouts for help
and somebody else jumps in at once
and absolutely gratis.
Here in the thick of the grossest capitlaism
round the corner comes the shining fire brigade
and extinguishes, or suddenly
there's silver in the beggar's hat.
Mornings, the streets are full
of people hurrying here and there without
daggers in their hands, quite equably
after milk or radishes.
As though in a time of deepest peace.
A splended sight.
Asphodelen
Komisch, der Gnostiker
im vierten Stock
ist immer noch wach
Er klopft und klopft
an das Heizungsrohr.
Vor dem Fenster der Mob
ist verschwunden, und jetzt
fängt es auch noch zu schneien an.
In der ganzen Stadt
gibt es keine Schnürsenkel mehr.
Das MG-Feuer im Bankenviertel
hat nachgelassen.
Aber es sind noch ein paar
Asphodelen da, im Kühlschrank,
für alle Fälle.
Asphodels
Translated by Rita Dove & Fred Viebahn
Odd - the Gnostic
on the fourth floor
is still awake.
He bangs and bangs
against the radiator.
The mob at the window
has disappeared, and now,
on top of it all, it's beginning to snow.
The entire city
is out of shoelaces.
The machine-gun fire in the financial district
has died down.
But there are still a few
asphodels left, in the fridge,
just in case.
die hebammen
in brausenden trauben schwärmen sie aus,
wenn der morgen graut, klettern
über hecken und brücken behend
und belagern die fernsten gehöfte.
ire prallen glänzenden koffer drohn
wie schwarze bomben, glimmend
auf gletschern und bahnsteigen,
mooren, hopfenfeldern und riffen.
die müstern der ammen blähn sich vor gier:
woes nach heissen handtüchern riecht,
springen sie unverhofft querfeldein,
drücken knurrend die türen auf
und werfen sich über die betten.
sie reissen ein fleisch zur welt,
das wenig wiegt, ein weisses fleisch,
das ein par dutzendmal überwintert:
dann ist es hin, und sie zerren
ans licht einen zornenschrei,
der, wenn es mittag wird, schallt
durch die steinbrüche und erstickt
in einem gewölk bleicher windeln.
dann, gegen abend, sieht sie der mond
bei ihren blutigen zangen und nadeln
und scheren kauern, lahm, im moos,
wie schlaflose raben, frösteln,
starren in den weglosen kahlen
strassengraben der nahenden nacht.
The Midwives
Trans. by Michael Hamburger
in buzzing clusters out they swarm
in the grey light of daybreak clamber
limberly over hedges and bridges
and lay siege to remotest homesteads.
their taut and gleaming toolbags threaten
like black time-bombs, glimmering
on glaciers and railway platforms,
on moors and hopfields and sandbanks.
the midwives' nostrils distend with greed:
wherever it smells of hot towels
cross-country they skip unforeseen,
push open doors with a growl
and hurl themselves at the bedsteads.
into the world they rip
flesh that weighs little, white flesh
that survives a few dozen winters:
then it's done for; they drag
to the light a furious roar
which, towards noon, rings out
through the quarries and fades away,
choked in a cloud of pale napkins.
later the moon sees them crouch
over bloody forceps and needles
and scissors, lame, in the moss
like sleepless ravens, chilly,
stare at the pathless blank
ditch of the oncoming night.
Die Verschwundenen
Für Nelly Sachs
Nicht die Erde hat sie verschluckt. War es die Luft?
Wie der Sand sind sie zahireich, doch nicht zu Sand
sind sie geworden, sondern zu nichte. In Scharen
sind sie vergessen. Häufig und Hand in Hand,
wie die Minuten. Mehr als wir,
doch ohne Andenken. Nicht verzeichnet,
nicht abzulesen im Staub, sondern verschwunden
sind ihre Namen, Löffel und Sohlen.
Sie reuen uns nicht. Es kann sich niemand
auf sie besinnen: Sind sie geboren,
geflohen, gestorben? Vermißt
sind sie nicht worden. Lückenlos
ist die Welt, doch zusammengehalten
von dem was sie nicht behaust,
von den Verschwundenen. Sie sind überall.
Ohne die Abwesenden wäre nichts da.
Ohne die Flüchtigen wäre nichts fest.
Ohne die Vergessenen nichts gewiß.
Die Verschwundenen sind gerecht.
So verschallen wir auch.
Botschaft des Tauchers
unter der silbernen glocke, hangend
im tang, die maske vor dem gesicht,
den elektrischen rüssel, angehalftert
an runzligen nabelschnüren, taumelnd
im milchigen abgrund, allein
mit seinem herzen wie ein prophet,
allein mit seinem schweiß im gegurgel:
oben im licht macht die jury den tod
und den kultursalat an, jupiter
verkauft sich unter den lampen,
es jubeln posaunenchöre, überall
pfeifen die schiedsrichter schon
zum letzten elfmeter, die sender
morsen bullen zum harakiri:
unten im dunkel in seiner rüstung,
in seiner brennenden reuse schwebt,
in der dünung der algen,
saumselig, in seinen sielen
aus kupfer und gummi, blind,
der ruhmlose taucher, und ruft
in das rauschende sprechgeschirr:
CQ CQ an alle! an alle!
ich bin auf dem grund allein,
wo niemand recht hat von uns
und von euch, vernäht in mein ende:
die stumme muschel hat recht
und der herrliche hummer allein,
recht hat der sinnreiche seestern.
ich wiederhole: laßt ab,
laßt ab von uns und von euch
und von mir!
kurz-kurz-kurz
lang
kurz-lang
Der Untergang der Titanic - Erster Gesang
Einer horcht. Er wartet. Er hält
den Atem an, ganz in der Nähe,
hier. Ersagt: Der da spricht, das bin ich.
Nie wieder, sagt er,
wird es so ruhig sein,
so trocken und warm wie jetzt.
Er hört sich
in seinem rauschenden Kopf.
Es ist niemand da außer dem,
der da sagt: Das muß ich sein.
Ich warte, halte den Atem an,
lausche. Das ferne Geräusch
in den Ohren, diesen Antennen
aus weichem Fleisch, bedeutet nichts.
Es ist nur das Blut,
das in der Ader schlägt.
Ich habe lang gewartet,
mit angehaltenem Atem.
Weißes Rauschen im Kopfhörer
meiner Zeitmaschine.
Stummer kosmischer Lärm.
Kein Klopfzeichen. Kein Hilfeschrei.
Funkstille.
Entweder ist es aus,
sage ich mir, oder es hat
noch nicht angefangen.
Jetzt aber! Jetzt:
Ein Knirschen. Ein Scharren. Ein Riß.
Das ist es. Ein eisiger Fingernagel,
der an der Tür kratzt und stockt.
Etwas reißt.
Eine endlose Segeltuchbahn,
ein schneeweißer Leinwandstreifen,
der erst langsam,
dann rascher und immer rascher
und fauchend entzweireißt.
Das ist der Anfang.
Hört ihr? Hört ihr es nicht?
Haltet euch fest!
Dann wird es wieder still.
Nur in der Wand klirrt
etwas Dünngeschliffenes nach,
ein kristallenes Zittern,
das schwächer wird
und vergeht.
Das war es.
War es das? Ja,
das muß es gewesen sein.
Das war der Anfang.
Der Anfang vom Ende
ist immer diskret.
Es ist elf Uhr vierzig
an Bord. Die stählerne Haut
unter der Wasserlinie klafft,
zweihundert Meter lang,
aufgeschlitzt
von einem unvorstellbaren Messer.
Das Wasser schießt in die Schotten.
An dem leuchtenden Rumpf
gleitet, dreißig Meter hoch
über dem Meeresspiegel, schwarz
und lautlos der Eisberg vorbei
und bleibt zurück in der Dunkelheit.